zu viele studenten

Es wird derzeit kontrovers diskutiert, ob zu viele Studenten vorhanden sind. Besonderer Vertreter der Meinung, dass wir genug Studenten in Deutschland haben, ist Professor Julian Nida-Rümelin, der unter der Schröder-Regierung Staatssekretär war. Er konstatiert, dass die Gesellschaft unter einem Akademisierungswahn leide. Er stützt sich auf beobachtbare Ereignisse, dass viele Ausbildungsberufe nicht mehr besetzt werden. Ein Mangel an Fachkräften wie in der Baubranche, in weltweiter Montage oder im Pflegebereich ist zu beobachten und dies könnte künftig schlimmer werden.

Dass er mit seiner Meinung nicht alleine dasteht, ist nachvollziehbar. Auf der anderen Seite klagen Wirtschaftsverbände und Unternehmen, dass ihnen ebenso akademische Kräfte fehlen. Hier sind es beispielsweise die Elektro- und Bauingenieure. Im Gesundheitsbereich sind es die niedergelassenen (Haus-) Ärzte, die mehr sein könnten. Also treffen die Aussagen von Herrn Nida-Rümelin nicht auf ein Gesamtbild in Deutschland. Es ist vielmehr ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Dies betrifft nicht nur den akademischen, sondern auch den ausbildungstechnischen Bereich.

Zum anderen darf die Meinung und Wünsche der Schüler bzw. Studenten nicht als gesellschaftliche Begleiterscheinung betrachtet werden. Generell suchen sie sich ihren Beruf aus, weil sie ihn mögen und Interesse an einem Studium haben. Deswegen sind sie nicht einfach ersatzweise in Ausbildungen zu stecken, mit dem Glauben, dass sie dort genauso wie mit einem Studium zufrieden seien . Es könnte durchaus eine große Dunkelziffer unter ihnen existieren, die erstmal ein Studienfach beginnt, obwohl sie gar nicht weiß, ob ihr der Beruf später gefallen wird. Studienwechsel oder -abbrüche könnten die Folge sein. Das ist für die Studierenden und den Arbeitsmarkt verlorene Zeit.

Die Unternehmen sollten einerseits neben der Politik steuernde bzw. richtungsweisende Wirkung zeigen. Sie müssten als Frühwarnsystem mindestens einige Jahre im Voraus sagen können, welchen Fachbedarf sie haben werden. Vereinzelte Ausnahmen könnten die Planbarkeit etwas justieren, wie die Dieselaffäre und die daraus resultierende Bekräftigung der Autobauer zeigte, dass sie nun Marktführer in der Elektromobilität werden wollen. Fachpersonal für diesen Bereich ist deswegen noch gefragter als zuvor. Andererseits sollte die Politik jene Studiengänge mittels punktueller finanzieller Erleichterung für die Studenten bzw. Azubis interessanter gestalten. Dies könnte mit geringeren Gebühren, anderen finanziellen Anreizen und durch höhere Ausbildungsvergütung erzielt werden.

Gibt es in Deutschland zu viele Studenten?

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