Leitbilder entwickeln, Leitbild werden – Handlungsempfehlungen für Öffentliche Verwaltungen
31.12.2007
Öffentliche Verwaltungen bezeichnen sich gerne als bürgernah. In Bezug auf die Integration und die Interkulturelle Öffnung in Verwaltungen ist hier in den letzten Jahren schon sehr viel geschehen.
Vielfach wurden Leitbilder entwickelt und mit deren Umsetzung begonnen. Dennoch bleibt viel zu tun, denn die Messlatte hängt hoch: Die Personalstrukturen in öffentlichen Verwaltungen stellen bezogen auf die Beschäftigung von Migrantinnen und Migranten, bislang kein Spiegelbild der Gesellschaft dar. Dies könnte jedoch ein Beitrag zur Öffnung der angebotenen Beratungs- und Serviceleistungen sein, die sämtliche Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen erreichen und ansprechen sollten.
Querschnittsthema Interkulturelle Öffnung
- Initiieren und fördern Sie lokale und überregionale Netzwerke öffentlicher Verwaltungen, welche sich der interkulturellen Öffnung widmen.
- Alle Organisationsebenen einer Verwaltungsinstitution sind in den Prozess der Interkulturellen Öffnung einzubeziehen. Es sollte bei sämtlichen Entscheidungen deutlich werden, dass es sich bei der interkulturellen Öffnung um eine Sache aller handelt, auch die der Chefs.
- Interkulturelle Inhalte sind in allen Aus- und Fortbildungen, Nach- und Ergänzungsqualifi- zierungen mit einzubeziehen.
- Strukturelle Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationshintergrund in öffentlichen Verwaltungen müssen abgebaut werden.
- Die Etablierung interkulturell besetzter Teams ist in sämtlichen Verwaltungsbereichen anzustreben.
Querschnittsthema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- Informationen und Beratungsangebote der öffentlichen Verwaltungen sind so aufzubereiten und zu streuen, dass sie auch bei Menschen mit Migrationshintergrund ankommen.
- In Publikationen wie Mitarbeiterzeitschriften oder hausinternen Newslettern, für eigene Mitarbeitende und Angestellte, sind dazugehörige Migrantinnen und Migranten durch entsprechende Themen sowie durch die Art und Weise der Berichterstattung zu berücksichtigen und damit anzuerkennen.
- Informationen und Beratungsangebote der öffentlichen Verwaltungen sind derart aufzubereiten, dass sie für Menschen mit Migrationshintergrund verständlicher werden.
- In internen Publikationen sind regelmäßig migrationsspezifische Themen aufzugreifen.
- Interkulturalität ist als positives Leitbild der Kommunen in der breiten Öffentlichkeit darzustellen.
Beratung
- Insbesondere sind Beraterinnen und Berater in öffentlichen Verwaltungen interkulturell zu schulen.
- Der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist insbesondere in Beratungseinrichtungen zu erhöhen.
- Sämtliche Angebote und Maßnahmen sind auf kulturelle Neutralität hin zu überprüfen.
Kompetenzfeststellung und Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland
- Bei der Rekrutierung von Personal ist erforderlich, auch derartige Kompetenzen abzufragen, welche nicht per Zeugnis nachgewiesen werden können. Insoweit sind entsprechende Kompetenzfeststellungsverfahren einzusetzen.
- Kompetenzfeststellungsverfahren sind daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie kulturell angemessen sind und entsprechend zu überarbeiten.
- Einstellungshemmnisse für Migrantinnen und Migranten in öffentlichen Verwaltungen sind systematisch zu analysieren und abzubauen.
Quaifizierung
Interkulturelle Themen sind dauerhaft in die Konzeptionen und Planungen der Fort- und Weiterbildung in öffentlichen Verwaltungen zu übernehmen. Dies gilt für sämtliche Bereiche der Organisation und nicht nur für das Ausländeramt. Entsprechende Qualifizierungsangebote wurden im Rahmen von Pro Qualifizierung entwickelt und erprobt, u.a. die Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung eines interkulturellen Leitbildes in Verwaltungen.
Existenzgründung
- Kommunale Angebote zur Existenzgründung sind auszudehnen und derart umzugestalten, dass auch spezifische Anliegen von gründungswilligen Migrantinnen und Migranten berücksichtigt werden. Beispielhaft sind hier die finanzielle Unterstützung oder der erleichterte Zugang zu Krediten zu nennen, bei denen die Kommune Empfehlungen an Sparkassen und Landesbanken aussprechen kann.
- Kommunen können und sollten ein wichtiger Motor bei der interkulturellen Öffnung und Qualifizierung ortsansässiger nichtkommunaler Institutionen sein, indem sie einen entsprechenden kommunalpolitischen Willen formulieren, z.B. durch entsprechende Leitbilder der Kommunalentwicklung und steuernd sowie moderierend die nötigen Prozesse initiieren und begleiten.
Netzwerk
- Lokale und sektorale Netzwerke, deren Anliegen es ist, für mehr Transparenz am Arbeitsmarkt zu sorgen, sind von Öffentlichen Verwaltungen zu initiieren und zu fördern.
- Bei der Entwicklung von Integrationskonzepten und Maßnahmen sollten Fachkräfte und MSOen unterschiedlicher Herkunft miteinbezogen werden.