
Abhilfe schaffen will ein Handbuch, das im Auftrag der EU-Kommission vom finnischen Arbeitsministerium erarbeitet wurde, Titel: „Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten“.
Im Handbuch geht es um Daten zu Diskriminierung und Gleichstellung, und zwar, warum und welche Art von Daten gesammelt werden sollten – das sind eben Gleichstellungsdaten – und wie sie beschafft werden können.
In allen Mitgliedstaaten der Union werden Daten über Einkommen, Bildung, Lebensstandard, Gesundheit etc. gesammelt. Die Quellen sind Volkszählung (Zensus), Verwaltungsregister und Erhebungen. Wenn auch persönliche Daten, die im Zusammenhang mit Diskriminierungsgründen stehen – z. B. Alter, Migrationshintergrund/ethnische Herkunft, Behinderung – gesammelt werden, lässt sich relativ einfach herausfinden, ob eine bestimmte Gruppe strukturell benachteiligt ist.
Eine andere Basis sind Beschwerdedaten. Sie entstehen bei Institutionen, die Anzeigen oder Beschwerden entgegennehmen. Das sind z. B. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte aber auch Gleichbehandlungsstellen und Ombudsmänner/-frauen. Erfahrungsgemäß wird nur ein ganz kleiner Teil von Diskriminierungen angezeigt. Gleichwohl können sie etwa in Zusammenhang mit Opferstudien Erkenntnisse vermitteln, wenn sie systematisch aufbereitet werden und damit vergleichbar sind.
Gezielt können Daten zu Diskriminierung durch Forschungsprojekte gewonnen werden. Möglich dabei sind unter anderem Opferstudien, Erhebungen unter bestimmten Zielgruppen – auch durch Selbstauskunft –, Diskriminierungstests und qualitative Forschung, die unterschiedliche Methoden einschließlich theoretischer Ableitungen vereint.
Ein anderer Ansatz ist die Beobachtung von Vielfalt, das so genannte Diversitätsmonitoring. Das ist geeignet für Unternehmen oder Organisationen. Dabei gibt es unterschiedliche Methoden. Es kann die Zusammensetzung der Belegschaft auf bestimmte Merkmale hin untersucht werden (quantitative Methode) oder die Auswertung von Kommunikation, Sozialverhalten, Beziehun- gen, Konflikten usw. (qualitative Methode).
Insgesamt sind bei der Sammlung von Gleichstellungsdaten einige Schwierigkeiten zu überwinden, die der Statistik allerdings nicht fremd sind. Das reicht vom Datenschutz – es geht ja zum Teil um persönlich sensible Daten – bis zu Definitionsfragen – was ist ethnische Herkunft? – und einer Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene. Dazu bietet das Handbuch eine ganze Reihe von Empfehlungen, die sich an nationale Entscheidungsträger richten.
Insgesamt bietet das Handbuch viele neue Einsichten, auch für Menschen, die sich mit der Materie befassen und ist trotzdem keineswegs nur für Experten verständlich.
Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten