Internationale Arbeitsorganisation ILO: Empfehlung 62 - Empfehlung betreffend die zwischenstaatliche Zusammenarbeit hinsichtlich der Anwerbung, der Arbeitsvermittlung und der Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter

20.09.2006

Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation,

die vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes nach Genf einberufen wurde und am 8. Juni 1939 zu ihrer fünfundzwanzigsten Tagung zusammengetreten ist,

hat beschlossen, verschiedene Anträge anzunehmen betreffend die zwischenstaatliche Zusammenarbeit hinsichtlich der Anwerbung, der Arbeitsvermittlung und der Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter, eine Frage, die zum dritten Gegenstand ihrer Tagesordnung gehört, und

dabei bestimmt, daß diese Anträge die Form einer Empfehlung erhalten sollen.

Die Konferenz nimmt heute, am 28. Juni 1939, die folgende Empfehlung an, die als Empfehlung betreffend Wanderarbeiter (zwischenstaatliche Zusammenarbeit), 1939, bezeichnet wird.

Die Konferenz hat das Übereinkommen über Wanderarbeiter, 1939, und die Empfehlung betreffend Wanderarbeiter, 1939, angenommen und empfiehlt daher folgendes:

1. Die Mitglieder, zwischen denen die Wanderungsbewegung größeren Umfang annimmt oder Gruppenwanderungen stattfinden, sollten die Maßnahmen zur Durchführung der Bestimmungen des Übereinkommens über Wanderarbeiter, 1939, und der Empfehlung betreffend Wanderarbeiter, 1939, durch den Abschluß zwei- oder mehrseitiger Abkommen ergänzen, die zweckmäßigerweise je nach den Umständen folgende Fragen regeln könnten:

a) Organisation der Auskunftserteilung an Wanderarbeiter und Austausch von Auskünften zwischen den zuständigen staatlichen Verwaltungsstellen,

b) Unterdrückung der unerlaubten oder irreführenden Werbung,

c) Ausstellung der notwendigen Bescheinigungen und Identitätsausweise an Wanderarbeiter und Anerkennung der Gültigkeit solcher in einem der vertragschließenden Staaten ausgestellten Schriftstücke sowie der dort abgeschlossenen Arbeitsverträge in den übrigen vertragschließenden Staaten,

d) Verfahren der Anwerbung, Hereinnahme und Arbeitsvermittlung der Wanderarbeiter,

e) Maßnahmen, um zu verhüten, daß Familien getrennt werden oder daß der Wanderarbeiter seine Familie verläßt, um die Wiedervereinigung von Familien zu erleichtern und um die Erfüllung der gesetzlichen Unterhaltspflichten gegenüber den im Heimatland verbliebenen Familienmitgliedern durch den Wanderarbeiter sicherzustellen,

f) etwa erforderliche Maßnahmen, um den Wanderarbeitern zu ermöglichen, die notwendigen Geldbeträge aus dem Auswanderungsland auszuführen und ihre Ersparnisse in das Heimatland zu überweisen, sowie Umrechnung dieser Beträge und Ersparnisse zu den günstigsten Wechselkursen,

g) Heimschaffung der Wanderarbeiter und ihrer Familien und Art der Deckung der Kosten dieser Heimschaffung,

h) Sicherungen, unter denen die Angehörigen eines vertragschließenden Staates, die in einem anderen vertragschließenden Staat ihren Wohnsitz haben, für Betriebe in außerhalb des Mutterlandes gelegenen, unter der Verwaltung des letztgenannten Staates stehenden Gebieten angeworben werden können,

i) Zuerkennung der Rentenansprüche der Wanderarbeiter aus der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversicherung, sofern die Wahrung dieser Ansprüche zwischen den betreffenden Staaten nicht anderweitig geregelt ist.

2. Unabhängig von den im vorstehenden Absatz genannten Abkommen oder in Ergänzung dieser Abkommen sollten die Mitglieder bei der praktischen Lösung der Fragen zusammenarbeiten, die sich aus der Regelung der Anwerbung, der Arbeitsvermittlung und der Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter ergeben, und sich insbesondere je nach den Umständen folgender Verfahren bedienen:

a) Ausarbeitung von Musteranträgen und Musterverträgen für die Anwerbung und Hereinnahme von Wanderarbeitern,

b) Festsetzung und Nachprüfung der Kontingente von Arbeitnehmern eines Landes, die während eines Jahres oder einer Jahreszeit in das Gebiet des anderen Landes hereingenommen werden dürfen, und erforderlichenfalls Aufteilung dieser Kontingente nach Geschlecht, Alter und Beruf,

c) Ausarbeitung von Verfahren für die Zusammenarbeit bei der Anwerbung der Wanderarbeiter und bei der Wahrnehmung ihrer Interessen,

d) regelmäßige Tagungen eines aus Vertretern des Auswanderungs- und des Einwanderungslandes zusammengesetzten Ausschusses zur Durchführung oder Anpassung von Vorschlägen oder Maßnahmen betreffend Anwerbung, Hereinnahme, Arbeitsvermittlung, Beschäftigung, Schutz und gegebenenfalls Heimschaffung der Wanderarbeiter und ihrer Familien.

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